Mit Hund an die Côte d’Azur

Vielleicht gehört ihr zu denjenigen, die die Côte d’Azur nicht auf dem Schirm haben, weil sie fürchten, die Anreise sei zu weit? Oder die vielleicht denken, dass Hunde dort eher Modeaccessoires sind und wenn man keine zum Outfit passende Handtasche hat, in der man seinen Hund spazierentragen kann, dann ist man in dieser Gegend falsch?

Dann ist dieser Artikel für euch, denn Stefan und ich pendeln seit vielen Jahren mit unserem Hund zwischen Berlin und der Côte d’Azur und wir haben einen großen, schwarzen Labradorrüden, der wahrlich in keine Handtasche passt.

Mit Hund nach Südfrankreich

Lasst euch bloß nicht von Hörensagen oder Schreckensnachrichten aufhalten! Es gibt Regeln zu beachten – wie in jedem anderen Land auch – aber abgesehen davon ist es für uns und den Hund einfach toll, das südfranzösische Leben zu genießen:

Unser Hund ist nicht der einfachste Charakter. Er hatte einen recht schweren Start ins Leben und bevor er mit drei Monaten zu uns kam, war er bereits in zwei anderen Stationen gewesen. Trotzdem findet er alle Menschen super – und alle Menschen finden ihn toll.

Aber die Südfranzosen heben den Begriff „tierlieb“ noch mal auf eine ganz andere Stufe! Wo wir auch sind wird er geherzt und gestreichelt, bekommt Leckereien und gute Worte – es macht viel Spaß, dabei zuzugucken. Und es entschleunigt mich. An manchen Tagen latsche ich unmotiviert durch den Wald und warte genervt auf den Hund, der mal hier, mal da schnüffelt – wie Hunde das eben so machen… Das ist dann weder für ihn noch für mich eine besondere Freude. Manchmal merke ich meine Gereiztheit erst, wenn mich Passanten aufhalten, weil sie den Hund begrüßen und mit mir über ihn reden wollen. Das nehme ich dann als Aufforderung, durchzuatmen und einen Gang herunterzuschalten, damit wir beide noch einen schönen Spaziergang zusammen haben können.

Von Christoph, dem Obst- und Gemüsehändler in unserem Ort Theoule-sur-Mer bekommt unser Hund immer einen (oder mehrere) Äpfel. Und wenn sie aussind, bekommt er halt irgendwas anderes. Der Hund freut sich immer riesig, wenn er merkt, dass wir zum Hafen laufen:

Christoph schneidet die Äpfel sogar noch in Würfel, damit mein Dicker sich nicht so abmühen muss mit dem Beißen…

Auf dem Markt gibt es Leckereien
Idyllischer Wochenmarkt direkt am Meer

Auch in viele Restaurants dürfen wir ihn mitbringen, selbst wenn Restaurants oft klein sind. Im Wald, in der Stadt, auf dem Markt, im Restaurant – überall werden wir freudig begrüßt und herzlich empfangen.

Die französischen Hunde

Wir meinen, zwei Typen ausmachen zu können: den Hofhund und den Schoßhund. Etwas anderes scheinen die Südfranzosen mit ihren Hunden nicht zu machen. Hundeschulen sind eher rar. Entsprechend reagieren die Hunde. Die Hofhunde kriegen fast einen Herzkasper hinter dem Zaun oder an der Leine und die Schoßhunde eigentlich auch, nur aus anderen Gründen. Der Hund guckt dann immer etwas fragend zu mir hoch, aber ich kann ihm nicht erklären, warum seine Artgenossen so einen Aufstand machen. Wir gehen einfach schnell weiter. Spielfreunde hat er keine gefunden, was aber auch ein bisschen an ihm und seiner Geschichte liegt.

Natürlich ist im Wald wie auch sonst überall Leinenpflicht. Wessen Hund zum Jagen neigt, sollte sich auch daran halten, denn es gibt viele Wildtiere in der Region.

Mit Hund im öffentlichen Raum

In der Stadt gilt Leinenpflicht – klar, wie bei uns. Im Sommer darf man nicht an die Strände – wie bei uns. Aber auch in Südfrankreich gibt es Hundestrände – wie bei uns. Und auch versteckt liegende Badebuchten außerhalb von Ortschaften.

Mit Hund baden

Wenn ihr also mit Deinem Hund in einer Badebucht bist, dann lass jetzt nicht alle Fünfe gerade sein, euren Hund zwischen allen anderen Gästen durchs Wasser toben und in jedes Gebüsch urinieren. Setzt euch in eine schattige Ecke, geht mit eurem Hund an der Leine baden, wenn nicht so viele anderen Menschen im Wasser sind (ach, und schütteln sollte er sich auch nicht unbedingt in der Mitte fremder Handtücher) und verhaltet euch insgesamt ruhig und unauffällig. Höflich eben.

Aber da es im Sommer tagsüber generell viel zu heiß für einen Hund ist, seid ihr als aufmerksame Hundehalter sowieso nur am Wasser, wenn es schon später und damit leerer ist. Und wenn kein Mensch da ist, na dann lasst euren Kleinen doch einfach laufen.

Mit Hund Sightseeing

Ihr liebt euren Hund, deswegen sorgt ihr gut für ihn und wisst es sicher selber. Ich sage es aber trotzdem noch mal: Im Sommer ist es viel zu heiß für ihn! Egal ob am Strand oder in der Stadt, wobei in der Stadt noch der heiße Asphalt dazukommt, auf dem ein Hund sich die Füße verbrennen kann.

Tut ihm das nicht an!

Geht morgens und abends mit ihm raus, aber lasst ihn tagsüber in kühlen Räumen oder im schattigen Garten. In unserer Ferienwohnung könnt ihr ein wunderbar kühles Klima schaffen, indem ihr die Jeaoulousien runterlasst und die Fenster aufmacht. Das Bad geht nach Norden, wenn ihr das Fenster öffnet, bekommt ihr einen angenehmen Luftzug und eurer Hund wird einen schönen Tag haben.
Unser Hund meint ab und an mal, dass es außerhalb der schattigen Wohnung gar nicht so heiß sein kann und er jetzt dringend raus muss. Da hilft dann alles gute Zureden nichts. Spätestens am Tor erkennt er dann aber selber, dass wir recht haben und will schnell wieder in die kühle Wohnung.

Beste Reisezeit mit Hund

Ich würde sagen, die beste Zeit, um mit Hund an die Côte d’Azur zu fahren, ist von Mitte September bis Mitte Juni. In der Zwischenzeit fällt das Thermometer kaum unter 30 °C und vor allem nachts kühlt es nicht richtig ab. Bei solcher Hitze geht jeder unserer Spaziergänge ans Meer und der Hund bekommt nach ein paar Tagen ordentlich Ausschlag, weil sein Fell durch das Dauerbaden nicht richtig trocken wird.

Ich persönlich bin am liebsten im September/Oktober und Mai/Juni an der Côte d’Azur. In dieser Zeit ist es tagsüber schön warm, der Hund und ich können zusammen baden, ohne andere Menschen zu stören, abends kann man draußen sitzen und nachts gut schlafen. Auch Ausflüge und Besichtigungen sind gut möglich, weil der Hund nicht schon nach zwei Schritten zu stark hechelt und ich nur immer nach Wasser und Schatten Ausschau halte.

Was ihr auch noch wissen solltet: im Juli und August hat ganz Frankreich gleichzeitig Schulferien und die Franzosen bleiben am liebsten im eigenen Land. Es wird also knallvoll an der Côte d’Azur.

Reiseerfahrungen mit Hund

Unsere Strecke ist 1.500 km lang und wir übernachten auf halber Strecke, was genau in Innsbruck ist. Der Hund fährt für sein Leben gerne Auto. (Das geht so weit, dass er ganz hibbelig wird, wenn er eine Woche nicht im Auto war. Manchmal lassen wir ihn dann für ein Weilchen einsteigen und ein Schläfchen im parkenden Auto machen, danach ist er wieder ganz der Alte.)

Die Übernachtungen sind selten schön. Keiner von uns dreien kann in der fremden Umgebung gut schlafen. Manchmal haben wir Glück und finden eine Unterkunft, in der der Hund nachts keine Kreise läuft – wer weiß, woran das liegt! Feng Shui, Wasseradern, Magnetismus – ich habe keine Ahnung! Aber oft ist er zu unruhig zum Schlafen. Deswegen sind wir dazu übergegangen, Hotels mit Teppichboden zu buchen. Du weißt ja auch, wie nervig Krallen auf Laminat sind…

Am nächsten Tag sitzen dann drei geräderte Gestalten im Auto, wovon eine schon an der ersten Ampel auf der Seite liegt und schnarcht.

Wir halten ungefähr alle zwei Stunden an und drehen eine kleine Runde auf dem Parkplatz. Bisher durften wir ihn in allen Ländern, durch die wir fahren (D, A, I, F), in die Raststätten mit hinein nehmen. Wenn wir am zweiten Abend auf unserem Parkplatz anhalten und seine Tür aufmachen, rennt er los und wartet ganz aufgeregt vor unserer Haustür. Ich bin mir sicher, dass er sich schon auf Frankreich freut, sobald wir anfangen, Taschen zu packen.

Mit Hund an der Côte d’Azur

Ich kann es nur immer wieder betonen: für mich ist diese Gegend die beste Urlaubsgegend mit Vierbeiner. Es heißt gemeinhin, Dänemark wäre das beste Hunde-Urlaubsland, das kann ich nicht bestätigen. Ich würde sagen, unser Hund hat sich in Dänemark gelangweilt, viel zu flach und gleichförmig. Außerdem hatten wir dort ein Haus ohne Zaun, was wohl üblich ist, aber deswegen mussten wir immer aufpassen. Und wir durften in den Großteil der Restaurants nicht hinein.
In Frankreich kann der Hund aufgrund des privaten Gartens sogar auf der Terrasse schlafen! Unsere Spaziergänge führen über Stock und Stein, durch Flussläufe und auf Berge. Ein riesiger Spaß für uns drei.

In 98 % der Restaurants sind wir zu dritt willkommen. Gut, wir bekommen nicht den besten Tisch, aber den ruhigen in der Ecke hätten wir uns sowieso ausgesucht. Auch in fast alle Geschäfte darf er mit, nur ganz selten gibt es ein Verbotsschild an der Tür, aber das sind vorwiegend Lebensmittelgeschäfte und Bäckereien. (Allerdings hat uns die Bäckersfrau bei unserer nervösen Bemerkung, dass der Hund bei fast 30°C im Auto wartet, sofort rausgeschickt und unsere Bestellung später zum Auto gebracht. Hach, diese Franzosen…) Bekleidungsgeschäfte, Parfümerien, Buchhandlungen und Gartencenter sind überhaupt kein Problem. Parks und Gärten sind so eine Sache. In manche wie den Botanischen Garten in Èze oder den Val Rahmeh in Menton durften wir unseren Hund mitnehmen, in andere (z.b. in den exotischen Garten von Monaco) nicht.

Überzeugt?

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